Der Anfang:

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die neu aufgestellte Bundeswehr zunächst mit amerikanischen Kampfpanzern des Typs M47 „General Patton“ (später M48 A1, M48 A2, M48 A2 C) ausgerüstet. Da diese, besonders aber der M47, durch ihr hohes Alter immer unwirtschaftlicher wurden und sich eine längere Unterhaltung nicht mehr vertreten ließ, wurde am 23.11.1956 die Forderung zum Bau eines neuen eigenen Kampfpanzers erhoben. Die damals festgelegten Grundanforderungen:
  • hohe Beweglichkeit
  • hohes Beschleunigungsvermögen
  • ausreichende Kletter-, Grabenüberschreit- und Watfähigkeit
  • stufenlose Wendemöglichkeit
  • sofortiger Übergang von Vorwärts- und Rückwärtsfahrt

Das Abkommen:

Im Juni 1957 kam es zu einem Militärabkommen zwischen Deutschland und Frankreich über die gemeinsame Entwicklung eines Kampfpanzers. Am 25.07.1957 gab das Bundesministerium der Verteidigung folgende Richtwerte vor:
  • Gesamtgewicht 30 t
  • Leistungsgewicht 30 PS pro Tonne
  • Vielstoff-Motor mit Luftkühlung
  • Fahrbereich mindestens 350 km
  • Höchstbreite 3150 mm
  • spezifischer Bodendruck 0,8 kp/cm2
  • Federung nach Stand der Technik, also hydraulisch oder Drehstäbe
Des Weiteren wurde auf einen ausreichenden ABC-Schutz, sowie eine Reduzierung der Brandgefahr durch Verwendung eines Dieselmotors besonderen Wert gelegt. Im September 1958 beteiligte sich Italien ebenfalls an dem Projekt Standardpanzer.

Die Entwicklung:

Es folgte nun die Vergabe der Entwicklungsaufträge an verschiedene Firmen, die sich zu Interessengruppen zusammenschlossen.

Gruppe A:

  • Dr. Ing. F. Porsche AG
  • Atlas - MAK, Kiel
  • Jung - Jungenthal, Kirchen / Sieg
  • Luther & Jordan Werke, Braunschweig (später)

Gruppe B:

  • Ruhrstahl
  • Rheinstahl – Hanomag, Hannover
  • Rheinstahl – Henschel, Kassel

Gruppe C:

  • C. F. W. Borgward GmbH, Bremen

Turm-Hersteller:

  • Wegmann & Co, Kassel
  • Rheinmetall, Düsseldorf
Nach den ersten Entwürfen wurden am 06.05.1959 die Verträge über Entwicklung und Fertigung von je zwei Prototypen I, mit den Arbeitsgruppen A & B sowie der DEFA, dem französischem Verteidigungsministerium, abgeschlossen.

Die Prototypen der Arbeitsgruppe A:

proto_a2proto_a1Die mit Drehstabfederung und sieben Doppellaufrollen pro Seite ausgestatteten Prototypen kamen auf ein Gesamtgewicht von 33t (später 35t) und wurden unter der Bezeichnung Porsche Typ „723“ geführt. Obwohl die Wanne bereits für die Aufnahme eines 10-Zylinder Motor ausgelegt war, wurde noch der 600 PS starke Daimler-Benz 8 Zylinder Typ MB 837 A eingebaut. Ausgestattet mit 2-Radien-Überlagerungs-Lenkgetriebe und 5-Gang Schaltgetriebe kamen die Fahrzeuge auf 65 km/h. Mitte 1960 begannen die Arbeitsgruppen mit der Erprobung der beiden Prototypen. Die für den Wegmann-Drehturm vorgesehene 90mm Rheinmetall Kanone wurde im Laufe des Jahres 1961 durch die britische 105mm Hochleistungskanone Royal Ordnance L7A1 ersetzt. Sie besitzt eine Kaliberlänge von L/51.

Die Prototypen der Arbeitsgruppe B:

proto_b1proto_b2Beide Prototypen verfügen über fast gleiche Wannen mit sechs Laufrollen und 3fach außen geführter Kette.  Ebenfalls gemeinsam war das verbaute stufenlose hydrostatische Überlagerungslenkgetriebe sowie das unter Last schaltende 8-Gang Planetengetriebe. Der Prototyp B1 hatte eine hydro-pneumatische Federung, wobei der Prototyp B2 mit einer Dubonet-Federung mit Reibungsringen und Tellerfeder-Kombination ausgestattet war. Anders als bei den Prototypen der Arbeitsgruppe A hatten diese Fahrzeuge einen Drehturm der Firma Rheinmetall mit 105mm Kanone aus eigener Fertigung.
Die Arbeitsgruppe B begann ebenfalls Mitte 1960 mit der Erprobung der beiden Prototypen

Die Prototypen der Arbeitsgruppe C:

Das Konzept der Arbeitsgruppe C war für damalige Verhältnisse sehr ungewöhnlich und seiner Zeit um Jahre voraus. Allein die Zeit, die nötig gewesen wäre, um alle neuartigen und nicht erprobten Teile zur technischen Reife zu bringen, erlaubte dem Bundesministerium der Verteidigung nicht, einen Auftrag für das Projekt zu erteilen. Auszüge aus dem Konzept:
  • Antrieb mit und ohne Gleiskettenborgward
  • Fünf Doppellaufrollen mit schusssicheren Luftreifen (vier angetrieben, drei gelenkt)
  • Hydropneumatische Federung mit variabler Bodenfreiheit
  • Vier wassergekühlte 6 Zylinder – Vielstoff – Boxermotoren
    ( 4 x 12 Liter Hubraum, Gesamtleistung: 1100 kW / 1500 PS)
  • Stufenloses hydrostatisches Lenkgetriebe
  • Acht elektrohydraulisch geschaltete Gänge, bis 80 km/h (120 km/h ohne Kette)
  • Kraftstoffbehälter aus Gummi
  • 3 Achsen hydraulisch stabilisierter Turm mit fester 105mm Kanone

Die Erprobung der Prototypen I:

Die gemeinsame Erprobung der vier Prototypen I bei der Erprobungsstelle 41 in Trier dauerte bis April 1962. Allerdings ließ die Auslieferung des französischen Prototyps I (ebenfalls von Deutschland finanziert) an die Erprobungsstelle bis Ende 1963 auf sich warten. Das französische Pendant war etwas länger, schmaler und leichter (31,6t) als seine deutschen Brüder und hatte fünf Laufrollenpaare und vier Stützrollen pro Seite. Ausgestattet mit einem 12 Zylinder-4Takt-Otto-Boxermotor und 5-Gang Schaltgetriebe erreichte er ebenfalls 65 km/h. Als Federung kamen Drehstäbe mit zwei Dämpfern pro Seite zum Einsatz. Die ausgewählte und schließlich verbaute Hauptwaffe war eine französische 105 mm Kanone des Typs 1507.

Die Prototypen II:

Am 01.01.1960 begann die Entwicklung der Prototypen II, die nun ab September 1960 gefertigt wurden. Jung – Jungenthal, sowie Atlas - MAK erhielten den Auftrag über je neun Prototypen II. Dazu kamen noch weitere acht Prototypen der neu hinzugekommenen Firma Luther & Jordan aus Braunschweig. Die 26 Fahrzeuge der Arbeitsgruppe A liefen nun unter der Bezeichnung Porschetyp „773“. Durch eine verbesserte Panzerung, insbesondere an der Front (von 50mm auf 70mm), stieg das Gewicht weiter auf jetzt 39t. Trotz dieser Steigerung schaffte der neue Daimler-Benz 10 Zylinder Motor des Typs MB 838 Ca-M 500 mit seinen 830 PS das Fahrzeug auf 73 km/h zu beschleunigen. Im Oktober 1961 erfolgte aus technischen Schwierigkeiten sowie aus Einsparungsgründen die Einstellung der Entwicklung der Arbeitsgruppe B. Von den ursprünglich geforderten sechs Prototypen II sollten nur noch zwei fertig gestellt werden.

Die Erprobung der Prototypen II:

Am 02.01.1962 begann die Erprobung der 28 Prototypen II (26A + 2B Fahrzeuge) bei der Erprobungsstelle 91 in Meppen. Im Herbst wurden dann 1500 Exemplare der britischen Hochleistungskanone Royal Ordnance L7A1 angekauft, was ein wichtiger Schritt zur Standardisierung der Panzermunition in der NATO darstelle. Um mit dieser Kanone auch im neuen Leopard 1 Turm die volle geforderte Rohrabsenkung von -9° zu erreichen, wurde die L7 durch die Firma Rheinmetall modifiziert. Die hintere obere Kante des Rohrbodenstücks wurde abgeschrägt, dadurch erhielt sie die neue Bezeichnung L7A3. Im September 1962 erfolgte die Auslieferung von zunächst sechs der 17 Prototypen an die Kampftruppenschule II in Munster, wo dann mit Truppenversuchen begonnen wurde. Das führte schnell zur Wiedereinführung des Entfernungsmessers, welcher zuvor durch das Einschieß-MG ersetzt wurde. Die Erprobung und die Truppenversuche waren am 01.04.1963 abgeschlossen und am 11.07.1963 wurde der neue Kampfpanzer zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die 0-Serie

0-serieIm Sommer 1963, während der Erprobung der Prototypen II, wurde eine eigene Vorserie von 50 Fahrzeugen der so genannten 0-Serie genehmigt. Mit der Entwicklung wurde schon im Juni 1961 und mit der Fertigung im Oktober 1961 begonnen. Die 50 Fahrzeuge (17 Jung-Jungenthal, 16 Atlas-MAK, 17 Luther & Jordan) gingen im Juni 1963 unter der Bezeichnung Standardpanzer Porschetyp „814“ zur Erprobungsstelle 91 nach Meppen. Die Fahrzeuge wurden im August 1963 unter italienischer Führung mit den französischen Prototypen des Standardpanzers, unter der Bezeichnung AMX 30 verglichen. Trotz seines wieder angestiegenen Gewichts von jetzt 40t (inkl. 9,2t Wegmann III Turm), hatte der deutsche Leopard eine um 10% höhere Geschwindigkeit und eine um 18% bessere Beschleunigung als der 6t leichtere AMX 30. Veränderungen in der französischen Verteidigungspolitik trennten nun die Wege von Frankreich und Deutschland. Und so wurde der AMX 30 allein durch Frankreich fertig gestellt.

Die Serienproduktion

Der bisherige Standardpanzer wurde offiziell am 01.10.1963 als Kampfpanzer „LEOPARD“ vorgestellt. Im deutschen Bundeshaushalt von 1964 waren 1,5 Milliarden DM für die Beschaffung neuer Kampfpanzer vorgesehen, so dass über 1500 Exemplare des neuen „Leopard“ in Auftrag gegeben wurden. Die Serienreifmachung aller Teile und Baugruppen wurde nun der Firma Krauss-Maffei AG in München-Allach übertragen. Die Herstellerfirmen wurden ebenfalls mit der Erstellung der technischen Dienstvorschriften, sowie der Kalkulation aller benötigten Ersatzteile beauftragt.

Der erste Serien-Leopard verließ das Montageband der Krauss-Maffei AG am 09.09.1965.

 

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